Manchmal fragt man sich ja schon, ist das virtuelle Leben wirklich so gut für einen. Ich selbst versuche mich in der Nutzung des Internets zu begrenzen, dass es ja nicht ausufert, doch wenn mal ein nettes oder interessantes Gespräch dabei ist, dann vergisst man schon die Zeit. Selten sind jedoch jene Momente, die auch mal positiv sind.
Da war zum Beispiel erst letzte Woche ein Chat. Etwas merkwürdig war es schon, zumal seine Ausdrucksweise und Schreibweise doch eher gewöhnungsbedürftig war. Oftmals musste ich einen Satz schon mehrmals lesen, da es sich offenbar um Lautschrift handelte. Doch irgendwie bekam ich doch heraus, was er mir zu sagen hatte.
Die Story, die ähnelte sich schon sehr mit vielen Stories, die ich im virtuellen Leben lesen durfte. Offensichtlich scheint irgendwas in unserer Gesellschaft falsch zu laufen. Da flüchtet jemand aus der Hauptstadt nach Hannover, weil sein Freund ihn betrog und seine Eltern ihn bedrohten, weil er Männer nun einmal mehr mag, als Frauen. Hier in Hannover ist er beruflich bei seinem Bruder untergekommen, der im Süden der Stadt wohl ein Restaurant betreibt. Den Namen des Restaurants konnte er mir jedoch nicht sagen.
Er machte mir den Vorschlag eines Treffens ins der Stadt. Gut, so was tut nicht weh, kannst ihn Dir ja mal ansehen. Doch zu dem Treffen kam es nicht, er sagte insgesamt 3 von ihm vorgeschlagene Termine ab. Nun denn, normalerweise ist so was ja schon ein „no go“ für mich, da man schon sein Zeitmanagement im Griff haben sollte. Die letzte Absage kam dann auch mit den Worten, er wolle mich nicht enttäuschen. Aha, und Schwupps war ich gesperrt.
Da war ich doch schon baff, schließlich hatte ich mich total zurückgehalten und ich hatte nicht die Motivation ihn nun unbedingt zu treffen. Auch habe ich keine Schmusewörter oder so was benutzt, so was mache ich erst dann, wenn sich da was anbahnt.
Nun, wenn ich jetzt so den Gesprächsverlauf Revue passieren lasse, so wird mir einiges klarer. Es bleiben eigentlich nur zwei Optionen. Die eine Option wäre wieder so typisch: Wahrscheinlich gerade geoutet und kein Arsch in der Hose. Dazu noch ein kaputtes Umfeld, ohne als Jugendlicher die Chance gehabt zu haben, wenigstens den Kern einer Sozialkompetenz zu entwickeln. Die falschen Freunde gefunden und dann auch noch das: Schwul und Italiener.
Die zweite Option ist etwas weniger sozial: Vielleicht wollte er sich nur interessant machen und als er merkte, dass mir die Absagen nichts ausmachten, da ich selber ja nicht den Drang verspürt habe, ihn zu treffen, hat er lieber das Handtuch geworfen.
Ja, so kann es kommen. Manche Männer überwinden scheinbar nie ihre Pubertät. Wie auch in einem anderen Fall, der schon etwas länger zurück liegt. Eines Morgens am Wochenende wurde ich im Chat angesprochen. Es war zunächst nur ein Smalltalk. Ich gehe dann ja immer offline, wenn das reale Leben meine Aufmerksamkeit benötigt, wie das schnöde Saubermachen der Wohnung am Samstagmorgen – ich hasse das!
Gegen Abend bin ich dann mal wieder online gegangen, und der Typ wollte sich mit mir treffen. Wir verabredeten und für den kommenden Tag. Am Tag selbst informierte er mich darüber, dass er vorher noch zu einer Einweihung einer neuen Bar einer guten Freundin gehen wollte, er also etwas trinken würde. Er betonte das so deutlich, da war mir klar, wenn Du den heute Abend triffst, ist er hacke stramm.
Ich schrieb ihm dann, man könne sich ja einem anderen Tag verabreden, so könne er dann auch ohne Stress die Eröffnung der Bar mitmachen (Druckbetankung?). Des Nachts bekam ich dann eine Nachricht von ihm. Erst ging es so im Geplänkel hin und her, dann kam er mit der Nachricht raus, er könne auch jetzt noch vorbei kommen. Mir war klar, was er wollte, zumal ich ihn ja gar nicht kannte. Ich sagte nein und ging offline.
Nach 2 oder 3 Wochen versuchte er es nochmals, aber da biss er auf Granit. Seit dem habe ich Ruhe vor dem Typen, der auch noch Kindermädchen ist.
Vielleicht sollte ich da mal ein Buch drüber schreiben.




