Ich berichtete ja schon einmal in meinem Blog über soziale Netzwerke und die Profile, die man dort vorfindet. Heute möchte ich die Gelegenheit nutzen, einmal auf zwei der mir in meiner Laufbahn begegneten Charaktere einzugehen: Dem Jäger und dem Verhaltensauffälligem.
Der Jäger
Als „den Jäger“ bezeichne ich mal jene Personengruppe in den sozialen Netzwerken, die täglichen oder regelmäßig so genannten Sex – Dates ausmachen. Das hat schon ein wenig was von Tourismus, zu einer bestimmten Zeit am Tag tummeln sich diese Jünger in den Portalen, um für denselben Abend noch das passende Gegenstück zu finden.
Und die Anzahl der Jäger ist in den vergangenen Monaten enorm angestiegen, manchmal erreichen sie einen Anteil von über 60% der Online User. Gut, wenn man da Hilfsmittel hat und man jene Klientel ausgrauen kann, denn in der Regel sind sie kaum in der Lage, wegen des schnellen Such- und Findenerfolges, eine ausreichende Kommunikationsform zu finden.
Ein interessantes und teils amüsantes Treiben kann man da beobachten, vor allem dann, wenn man selbst plötzlich den Button „Nein, Danke“ gefunden hat und dieser zu einem täglichen Arbeitsinstrument wird.
Der Verhaltensauffällige
Zugegeben, der Titel ist jetzt etwas heftig. Niemand, auch ich nicht, kann sich davon frei machen, nicht auch gewisse Defizite auszuweisen. Doch es gibt auch die besonders heiklen Fälle, die einen sogar zum Nachdenken anregen.
In der Selbstdefinitionsphase bis hin zur Akzeptanz des Schwul seins, die auch noch jeder zu unterschiedlichen Zeiten seines Lebens erlebt, stößt man unweigerlich auch auf Ablehnung und Intoleranz – mal mehr, mal weniger.
Da bleibt es eben nicht aus, dass man eine so genannte „Schacke“ hat, die mal mehr oder weniger ausgeprägt sind. Dies und natürlich auch die Sozialisation oder die Änderungen von einer oder mehrerer persönlichen Lebenssituationen führen oft dazu, dass der Gegenüber leicht verschreckt. Dabei ist die Offenheit einiger Menschen sicher auch positiv zu sehen und das ist selten genug. Jedoch wenn bestimmte Informationen im späteres Verlauf des „Kennenlernen“ herauskommen, so denkt man schon oft darüber nach, wie grausam das Leben manchmal sein kann.
Meine Erfahrungen reichen da von der völligen Verarmung über die Vergewaltigung bis hin zum Suizid. Da ich selber unter einem Helfersyndrom leide und aus meinen Profilen scheinbar der Psychologe heraus zu interpretieren ist, habe ich einen unsichtbaren Magneten. Meine Kindheit und auch mein Leben sind im Vergleich zu diesen Schicksalsschlägen anderer Menschen doch sehr entspannt. Umso hilfloser stehe ich den Informationen oftmals entgegen und kann nicht mehr raten, als einen Profi zu kontaktieren. In der scheinbaren Anonymität der sozialen Netzwerke gehen uns diese Menschen leider verloren.
Was dort fehlt, ist echte Hilfe.




